Der Abfluss ist schon wieder verstopft, der Kauf eines älteren Hauses steht an oder die Gemeinde hat wegen der Dichtheitsprüfung geschrieben: In solchen Situationen ist schnell von einer Kanal-TV-Inspektion die Rede. Dabei wird eine Kamera durch die Leitung geführt und macht sichtbar, was von außen verborgen bleibt. In diesem Ratgeber lesen Sie, welche Faktoren die Kosten bestimmen und in welchen Fällen in NRW eine Dichtheitsprüfung vorgeschrieben ist. Zudem erfahren Sie, welche Unterlagen Ihnen nach der Inspektion zustehen sollten.
Was kann die Kamera im Rohr eigentlich erkennen?
Für eine Kanal-TV-Inspektion wird ein Kamerakopf in die Abwasserleitung eingeschoben oder mit einem kleinen Fahrwagen durch sie hindurchgelenkt. Auf dem Monitor verfolgt der Techniker die Rohrwand in Echtzeit. Über einen Meterzähler ist ablesbar, welche Strecke die Kamera bereits zurückgelegt hat. Außerdem sitzt im Kamerakopf ein Sender, der sich von der Oberfläche aus orten lässt. So sehen Sie, welcher Schaden vorliegt und an welcher Stelle auf dem Grundstück er sich genau befindet.
- Verengter Querschnitt durch Ablagerungen: Fett, Kalk oder Urinstein lassen das Rohr zuwachsen, das Wasser fließt zunehmend schlechter ab
- Eingewachsene Wurzeln, oft im Bereich der Rohrverbindungen – auch an Verbindungen, die an sich dicht sind
- Risse, Scherben und Brüche, besonders bei älteren Rohren aus Steinzeug oder Beton
- Versetzte oder abgesackte Rohrverbindungen, in denen sich Wasser staut
- Hineinragende Zuläufe, Fremdkörper oder Rückstände vom Bau wie Mörtel
Welches Gerät verwendet wird, richtet sich nach dem Rohr. In Hausleitungen mit engen Bögen kommen kleine Schiebekameras zum Einsatz, die modellabhängig ab etwa DN 25 bis DN 50 verwendbar sind. Für Grundleitungen, Anschlusskanäle und gewerbliche Leitungen mit größerem Querschnitt nutzt man Fahrwagensysteme aus dem Bereich Kanal-Industrie-TV. Ihr Schwenkkopf lässt sich drehen und kann in Abzweige hineinschauen.
Wie läuft eine Kamera-Inspektion ab?
Legen Sie nach Möglichkeit vorher den Entwässerungsplan aus der Bauakte bereit. Ist keiner vorhanden, hilft häufig das Bauamt weiter. Bekannte Schächte und Bodenabläufe sollten ungehindert erreichbar sein. Üblicherweise verläuft die Inspektion wie folgt:
- Erste Einschätzung per TelefonSie nennen den Anlass der Inspektion. Hinzu kommen das ungefähre Baujahr und die bekannten Zugänge. Kaseo GmbH nimmt diese erste Einschätzung kostenlos vor und klärt dabei, welche Kamera und welcher Leistungsumfang zweckmäßig sind.
- Für einen Zugang sorgenAm besten eignet sich ein Revisionsschacht oder eine Reinigungsöffnung im Keller. Gibt es keines von beiden, kann die Kamera etwa über ein abmontiertes WC oder über die Dachentlüftung eingeführt werden.
- Bei Bedarf vorab reinigenStarke Beläge und Fett verdecken Risse und Muffen. Dann wird die Leitung zunächst gespült, damit die Kamera die Rohrwand überhaupt sehen kann.
- Befahren und ortenDie Kamera wird nacheinander durch jeden Strang geführt. Jeder auffällige Befund wird mit Meterangabe festgehalten und bei Bedarf von der Oberfläche aus geortet und gekennzeichnet.
- Gespräch und BerichtNoch vor Ort erhalten Sie eine erste Einschätzung. Anschließend bekommen Sie Aufnahme und Protokoll, auf deren Grundlage Sie das weitere Vorgehen planen können.
Wovon hängen die Kosten einer Kanal-TV-Inspektion ab?
Einen Pauschalpreis, der für jedes Haus gilt, gibt es nicht, denn kaum eine Inspektion gleicht der anderen. Ein Reihenhaus mit gut erreichbarem Revisionsschacht und kurzer Grundleitung stellt andere Anforderungen als ein Altbau am Hang.
Die wesentlichen Kostenfaktoren
| Was den Preis beeinflusst | Wirkung | Woran Sie es erkennen |
|---|---|---|
| Erreichbarkeit der Leitung | Ohne Öffnung muss zuerst ein Zugang hergestellt werden | Ist ein Revisionsschacht oder eine Reinigungsöffnung vorhanden? |
| Zahl und Länge der Stränge | Jeder Strang wird für sich befahren und dokumentiert | Wie viele Fallleitungen, Boden- und Hofabläufe gibt es im Haus? |
| Ablagerungen und Verjüngung | Vor der Befahrung ist zusätzlich eine Spülung nötig | Fließt das Wasser schon seit Längerem langsam ab? |
| Durchmesser und Kameratechnik | Große Kanäle und Abzweige erfordern einen Fahrwagen oder einen Schwenkkopf | Betrifft es nur das Haus oder die Leitung bis zum öffentlichen Kanal? |
| Umfang der Dokumentation | Codiertes Protokoll, Fotos und Lageskizze erfordern Zeit für die Auswertung | Wird der Bericht für die Gemeinde oder einen Hauskauf benötigt? |
| Zusätzliche Dichtheitsprüfung | Absperren, Prüfdruck aufbauen und Messzeit kommen dazu | Hat die Gemeinde eine Aufforderung geschickt? |
| Zeitpunkt des Einsatzes | Notdienst-Einsätze werden anders abgerechnet als geplante Termine | Ist es ein akuter Fall oder kann ein Termin geplant werden? |
Üblicherweise finden sich auf der Rechnung die Anfahrt, die Arbeitszeit für Befahrung und Ortung, gegebenenfalls eine Spülung sowie die Auswertung samt Bericht. Eine Dichtheitsprüfung erscheint in der Regel als gesonderte Position. Ein verlässliches Angebot erhalten Sie, wenn folgende Punkte im Vorfeld geklärt sind:
- Ist eine Vorreinigung im Preis enthalten oder wird sie nach Aufwand abgerechnet?
- Welche Abschnitte werden befahren: ausschließlich die Grundleitung oder zusätzlich Anschluss und Fallleitungen?
- Wie geht es weiter, wenn die Kamera an einem Hindernis hängen bleibt?
Wann ist eine Dichtheitsprüfung Pflicht und wie wird sie durchgeführt?
Private Abwasserleitungen sind so zu betreiben, dass kein Abwasser in den Boden austritt. In NRW legt die Selbstüberwachungsverordnung Abwasser (SüwVO Abw) fest, wann eine Prüfung vorgeschrieben ist. Betroffen sind in erster Linie Grundstücke in Wasserschutzgebieten, Neubauten sowie Leitungen nach einer wesentlichen Änderung. Ebenso erfasst sind Leitungen, durch die gewerbliches oder industrielles Abwasser fließt. Darüber hinaus dürfen Gemeinden per Satzung eigene Vorgaben machen. Haben Sie in Bergneustadt oder einer Nachbarkommune Post erhalten oder sind Sie sich unsicher, wenden Sie sich am besten direkt an die Stadtverwaltung. Dort bekommen Sie Auskunft, welche Frist gilt und welche Prüfart verlangt wird.
Technisch richtet sich die Prüfung bestehender Leitungen nach DIN 1986-30. Je nach Anforderung reicht eine optische Inspektion per Kamera aus. In anderen Fällen muss zusätzlich eine Druckprüfung mit Wasser oder Luft erfolgen. Die beiden Methoden ergänzen einander:
Kamera oder Druckprüfung – was leistet welches Verfahren?
TV-/Kamera-Inspektion
- Macht Risse, Wurzeln, Ablagerungen und versetzte Muffen sichtbar
- Gibt Aufschluss über Lage und Verlauf der Leitung
- Ausgangspunkt für jede Sanierungsplanung
- Feine Undichtigkeiten ohne erkennbare Spuren werden unter Umständen nicht entdeckt
Druckprüfung mit Wasser oder Luft
- Prüft, ob die Leitung dem Prüfdruck standhält
- Liefert einen eindeutigen Messwert
- Lässt nicht erkennen, wo und weshalb eine Leitung undicht ist
- Die Leitung muss zuvor abgesperrt und vorbereitet werden
Selbst wenn keine Pflicht besteht, kann eine Prüfung ratsam sein, zum Beispiel bevor Sie ein älteres Haus kaufen. Schäden an der Grundleitung bleiben häufig lange verborgen. Bemerkt werden sie meist erst, wenn der Keller feucht wird oder das Wasser nicht mehr richtig abfließt.
Welche Dokumentation nach DIN EN 13508-2 steht Ihnen am Ende zu?
Entscheidend ist die schriftliche Dokumentation der Befahrung. Die Norm DIN EN 13508-2 regelt, wie der Zustand von Abwasserleitungen bei einer Sichtprüfung erfasst wird. Jeder Befund bekommt einen festgelegten Code und eine Position in Metern, gemessen vom Startpunkt. Wo erforderlich, wird zusätzlich die Lage am Rohrumfang als Uhrzeit angegeben. Dadurch können auch andere Fachbetriebe oder die Gemeinde den Bericht ebenso verstehen wie der Betrieb, der ihn angefertigt hat.
- Video der vollständigen Befahrung mit eingeblendeter Meterangabe
- Fotos von jeder Schadstelle
- Protokoll für jeden Leitungsabschnitt mit Material, Durchmesser, Fließrichtung, Start- und Endpunkt sowie den codierten Befunden
- Lageskizze mit den georteten Punkten
- Bewertung, was bald behoben werden sollte und was beobachtet werden kann
Bei einer späteren Befahrung lässt sich mit dem alten Bericht vergleichen, ob sich ein Riss vergrößert hat oder mehr Ablagerungen vorhanden sind.
Was gilt bei Fettabscheidern, Hebeanlagen und gewerblichen Leitungen?
In Gastronomie und Großküchen gelangt fetthaltiges Abwasser zunächst in einen Fettabscheider. Kühlt das Fett bereits vorher ab, setzt es sich in der Zulaufleitung an der Rohrwand fest. Auf dem Kamerabild ist dann eine Verjüngung zu sehen, die nach und nach weiter zuwächst. Die Abscheideranlage selbst ist nach DIN 4040-100 in festen Abständen einer Generalinspektion zu unterziehen, einschließlich Dichtheitsprüfung. Es liegt nahe, bei diesem Termin auch Zu- und Ablaufleitungen mit der Kamera zu befahren.
Im Bergischen Land stehen viele Häuser tiefer als die Straße oder verfügen über tiefe Kellergeschosse. Abläufe im Keller liegen dann oft unterhalb der Rückstauebene. In solchen Fällen befördert eine Hebeanlage das Abwasser über eine Schleife in die Grundleitung. Heikel ist der Punkt, an dem die Druckleitung in die gewöhnliche Freispiegelleitung übergeht, denn dort setzen sich gerne Feststoffe ab. Bei der Inspektion sollte man daher diesen Übergang und die Leitung zur Hebeanlage genau betrachten. Lösen sich in der Zulaufleitung grobe Ablagerungen, gelangen sie in den Sammelbehälter und können die Pumpe blockieren.
Was folgt auf den Befund: Reinigung, Fräsarbeiten oder Schlauchliner?
Die Inspektion ist die Grundlage jeder Sanierungsplanung: Sie ermittelt die Maße der Leitung und die Art der Schäden. Erst damit lässt sich ein geeignetes Verfahren wählen und ein Liner passgenau vorbereiten.
- Ablagerungen und Fett: Reinigung per Hochdruckspülung, anschließend eine kurze Kontrollbefahrung
- Wurzeln, harte Verkrustungen und hineinragende Zuläufe: Fräsarbeiten im Kanal mit Fräskopf oder Fräsroboter, der das Hindernis im Rohr entfernt
- Risse und undichte Muffen auf längeren Abschnitten: grabenlose Sanierung mit Schlauchliner, wobei von innen ein neues Rohr entsteht, ohne dass aufgegraben werden muss
- Eingebrochene oder stark verformte Abschnitte: punktuelle Reparatur, in Einzelfällen auch eine offene Erneuerung
Auch nach Abschluss der Sanierung wird die Kamera gebraucht. Ist ein Schlauchliner eingebaut, werden die seitlichen Zuläufe von innen wieder geöffnet. Eine abschließende Befahrung belegt, ob der Liner glatt anliegt und sämtliche Anschlüsse frei sind.





