Ist der Kanal bei Starkregen überlastet, sucht sich das Abwasser den tiefsten Austrittspunkt. Häufig ist das der Bodenablauf im Keller. Eine Rückstauklappe soll genau das verhindern. Sie wirkt aber nur, wenn Einbauort und Gefälle zusammenpassen. In diesem Ratgeber lesen Sie, wann eine Rückstausicherung nötig ist und welche Anforderungen DIN EN 13564 und DIN 1986-100 stellen. Außerdem geht es darum, warum ein senkrechter Einbau nicht funktioniert und wie Fachbetriebe eine Nachrüstung angehen.
Rückstauklappe und Rückstauebene: die Grundlagen
Zu Rückstau kommt es, wenn im öffentlichen Kanal mehr Wasser ankommt, als abfließen kann. Meist ist Starkregen der Auslöser, seltener staut eine Verstopfung im Kanal das Wasser zurück. Der Wasserspiegel steigt dann im Kanal und in allen angeschlossenen Hausleitungen. Dahinter steckt das Prinzip der verbundenen Gefäße: In Ihrer Leitung steigt das Wasser auf dieselbe Höhe wie im Kanal und tritt an der tiefsten offenen Stelle aus. Das ist meistens der Bodenablauf oder die Dusche im Keller.
Die maximale Steighöhe wird als Rückstauebene bezeichnet. Im Normalfall entspricht sie der Straßenoberkante dort, wo Ihr Grundstück an den Kanal angebunden ist, es sei denn, die kommunale Entwässerungssatzung legt eine andere Höhe fest. Ablaufstellen unterhalb dieser Linie mit Kanalanschluss sind rückstaugefährdet. Ablaufstellen oberhalb sind sicher, denn das Wasser läuft vorher aus den Kanaldeckeln auf die Straße.
Hanglagen im Bergischen Land
In Bergneustadt und im gesamten Oberbergischen Kreis sind Hanggrundstücke weit verbreitet. Die Straße vor dem Haus liegt dort unter Umständen deutlich höher als der Kellerboden, und an einer steilen Straße verändert sich die Rückstauebene von Grundstück zu Grundstück. Maßgeblich ist daher die Höhe am tatsächlichen Anschlusspunkt. So kann ein Souterrain auf der Talseite komplett unter der Rückstauebene liegen, obwohl man es ebenerdig betritt.
In der Fachsprache heißt die Rückstauklappe Rückstauverschluss. Sie ist in die Abwasserleitung eingebaut und lässt Wasser nur in einer Richtung passieren. Drückt Wasser aus dem Kanal zurück, schließt sie. Solange sie zu ist, kann jedoch auch aus dem Gebäude kein Wasser ablaufen. Deshalb dürfen zum Beispiel keine Leitungen aus den Obergeschossen durch die Klappe laufen.
Muss ich eine Rückstausicherung einbauen?
Fast immer ja, sobald im Haus Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene vorhanden sind. Ein Gesetz, das ausdrücklich „Sie müssen eine Rückstauklappe einbauen“ vorschreibt, gibt es zwar nicht. Die Verpflichtung folgt jedoch aus dem Zusammenspiel dreier Quellen, sodass man ihr in der Praxis kaum ausweichen kann.
Die Entwässerungssatzung Ihrer Kommune
Den Anschluss an den öffentlichen Kanal regelt jede Kommune in einer eigenen Satzung. Typischerweise steht darin, dass Eigentümer ihre Anlagen selbst gegen Rückstau schützen müssen und die Kommune nicht für Schäden durch eine fehlende oder defekte Sicherung haftet. Häufig legt die Satzung auch die Rückstauebene fest. In Bergneustadt bekommen Sie die Satzung bei der Stadtverwaltung oder beim zuständigen Abwasserbetrieb, in Köln bei den Stadtentwässerungsbetrieben. Dort erfahren Sie auch, welche Höhe für Ihre Straße maßgeblich ist.
Die technischen Regeln
Laut DIN EN 12056-4 und der deutschen Ergänzung DIN 1986-100 müssen Entwässerungsgegenstände unterhalb der Rückstauebene gegen Rückstau gesichert sein. Zulässig ist entweder eine Abwasserhebeanlage oder, unter bestimmten Voraussetzungen, ein Rückstauverschluss. Da die Satzungen meist auf diese Normen verweisen, sind sie für Sie verbindlich.
Die Versicherung
Schäden durch Rückstau sind in der Regel nur über eine Elementarschaden-Erweiterung versichert. Zahlreiche Versicherungsbedingungen verlangen eine vorhandene und funktionsfähige Rückstausicherung. Fehlt sie oder wurde sie nie gewartet, darf der Versicherer die Leistung kürzen oder verweigern. Werfen Sie deshalb noch vor dem nächsten Starkregen einen Blick in Ihre Vertragsbedingungen.
Ohne Sicherung kommen Sie nur aus, wenn sämtliche Ablaufstellen über der Rückstauebene liegen, etwa in Häusern ohne Keller. Achtung: Auch ein in Vergessenheit geratener alter Bodenablauf im Heizungsraum zählt als Ablaufstelle.
Die relevanten Normen: DIN EN 752, DIN EN 12056, DIN 1986-100 und DIN EN 13564
Die folgende Übersicht zeigt, welche Norm für welchen Bereich gilt. So wird nachvollziehbar, was ein Fachbetrieb bei der Planung prüft und aus welchem Grund.
- DIN EN 752: Entwässerung außerhalb von Gebäuden. Sie gilt für die Grundleitungen auf dem Grundstück bis zum öffentlichen Kanal, also für genau den Weg, auf dem Rückstau ins Haus gelangt.
- DIN EN 12056: Schwerkraftentwässerung in Gebäuden. Teil 4 behandelt Abwasserhebeanlagen und bestimmt, wann eine Hebeanlage Pflicht ist und wann ein Rückstauverschluss ausreicht.
- DIN 1986-100: deutsche Ergänzungsnorm zur Grundstücksentwässerung. Sie präzisiert die europäischen Vorgaben, etwa zu Rückstauebene, Leitungsführung und Rückstausicherung.
- DIN EN 13564-1: Anforderungen an Rückstauverschlüsse und ihre Einteilung in Bauarten (Typ 0 bis 5).
- DIN 1986-3: Inspektion und Wartung von Entwässerungsanlagen, also in welchen Abständen Betreiber kontrollieren und Fachkundige warten müssen.
Die Normen greifen in einer festen Reihenfolge ineinander. Zuerst klären DIN EN 12056 und DIN 1986-100 als Planungsregeln, ob ein Rückstauverschluss überhaupt erlaubt ist oder eine Hebeanlage nötig wird. Danach bestimmt DIN EN 13564, welcher Verschluss die Anforderungen erfüllt. DIN EN 752 spielt vor allem dann eine Rolle, wenn die Sicherung außerhalb des Hauses in einem Schacht liegt oder Grundleitungen saniert werden.
Für Eigentümer bedeutet das: Ein Produkt mit dem Hinweis „nach DIN EN 13564“ macht die Lösung noch nicht normgerecht. Das ist sie erst, wenn Einbauort und Leitungsführung ebenfalls den Planungsregeln entsprechen. Ein Beispiel: Eine geprüfte Klappe, durch die auch das Regenwasser vom Dach läuft, entspricht nicht den Planungsregeln.
Rückstauklappe oder Abwasserhebeanlage? Entscheidend ist das Gefälle zum Kanal
Die zentrale Planungsfrage lautet: Fließt das Abwasser von Ihrer Ablaufstelle im Normalbetrieb ohne Pumpe von selbst zum Kanal? Liegt der Kellerboden höher als der Kanal, ist natürliches Gefälle vorhanden, und ein Rückstauverschluss ist grundsätzlich möglich. Liegt die Ablaufstelle tiefer als der Kanal, muss das Wasser gepumpt werden. Dann ist eine Abwasserhebeanlage zwingend.
Aus Sicht der Normen ist die Hebeanlage die eigentliche Standardlösung. Sie fördert das Abwasser durch eine Rohrschleife, die über die Rückstauebene hinausgeführt wird. Diese Schleife nennt man Rückstauschleife. Kanalwasser gelangt dadurch gar nicht erst zu den Ablaufstellen, und der Keller lässt sich auch während eines Rückstaus weiter nutzen.
Rückstauverschluss und Hebeanlage gegenübergestellt
Rückstauverschluss
- Setzt Gefälle zum Kanal voraus
- Mechanische Variante kommt ohne Strom aus
- Gesicherte Stellen können während eines Rückstaus nicht entwässern
- Bei fäkalienhaltigem Abwasser nur unter strengen Voraussetzungen erlaubt
Abwasserhebeanlage
- Funktioniert auch ohne Gefälle zum Kanal
- Keller bleibt während eines Rückstaus nutzbar
- Standardlösung für fäkalienhaltiges Abwasser
- Benötigt Strom, Platz und regelmäßige Wartung
WC im Keller: vier Voraussetzungen bei fäkalienhaltigem Abwasser
Für das Abwasser einer Kellertoilette gelten schärfere Vorgaben. Gemäß DIN EN 12056-4 darf hier nur dann ein Rückstauverschluss eingesetzt werden, wenn sämtliche folgenden Punkte erfüllt sind:
- Zum Kanal ist Gefälle vorhanden.
- Die Räume haben eine untergeordnete Nutzung. Es werden dort keine nennenswerten Sachwerte aufbewahrt, und bei Rückstau besteht keine Gefahr für die Gesundheit der Bewohner.
- Nur wenige Personen nutzen die Anlage, und über der Rückstauebene gibt es ein weiteres WC.
- Während eines Rückstaus kann auf die Nutzung der Ablaufstelle verzichtet werden.
Außerdem muss der Verschluss für fäkalienhaltiges Abwasser zugelassen sein, also ein Typ 3 mit der Kennzeichnung „F“. Eine bewohnte Einliegerwohnung im Souterrain erfüllt die Voraussetzungen in aller Regel nicht, ein kaum genutztes WC neben der Hobbywerkstatt dagegen durchaus.
Bauarten nach DIN EN 13564-1: von der mechanischen Klappe bis zur elektronischen Sicherung
DIN EN 13564-1 ordnet Rückstauverschlüsse nach Einbauort und Ausstattung. Die Typen 0 bis 3 werden in durchgehende, waagerechte Rohrleitungen eingebaut, die Typen 4 und 5 direkt in Bodenabläufe.
Rückstauverschlüsse nach DIN EN 13564-1
| Typ | Aufbau | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Typ 0 | Ein selbsttätiger Verschluss, kein Notverschluss | Nur für eng begrenzte Sonderfälle, nicht für die übliche Kellerentwässerung |
| Typ 1 | Ein selbsttätiger Verschluss und ein Notverschluss | Sonderfälle; für Schmutzwasser aus dem Keller in der Regel nicht ausreichend |
| Typ 2 | Zwei selbsttätige Verschlüsse, einer davon mit Notverschluss | Klassische mechanische Rückstauklappe für fäkalienfreies Abwasser |
| Typ 3 | Elektrisch betriebener Verschluss mit Sensor und Notverschluss | Elektronische Rückstausicherung; mit Kennzeichnung „F“ auch für fäkalienhaltiges Abwasser |
| Typ 4 und 5 | Verschluss direkt im Bodenablauf, unterschiedlich ausgestattet | Sichert einzelne Bodenabläufe, etwa in Waschküche oder Heizungsraum |
Vereinfachte Darstellung. Verbindlich sind der aktuelle Normtext und die Planungsregeln nach DIN 1986-100.
Mechanische Rückstauklappe (klassischer Rückstauverschluss)
In Einfamilienhäusern ist die mechanische Bauart nach Typ 2 am weitesten verbreitet. Rückdrückendes Wasser schiebt ihre zwei Klappen in den Dichtsitz. Eine davon kann zusätzlich per Handhebel verriegelt werden, das ist der Notverschluss. Die Technik ist robust und braucht keinen Stromanschluss. Ihre Schwachstelle sind Ablagerungen am Dichtsitz: Bereits Waschmaschinenfasern oder eine Fettschicht können das dichte Schließen verhindern. Für fäkalienhaltiges Abwasser ist diese Bauart daher nicht gedacht.
Elektronischer Verschluss (Typ 3)
Hier erkennt ein Sensor den Rückstau, und ein Motor schließt den Verschluss aktiv. Im Normalbetrieb bleibt der Rohrquerschnitt offen, Feststoffe passieren also ungehindert. Im Gegenzug benötigt die Anlage Strom und eine Steuerung, die üblicherweise Alarm gibt. Für Stromausfälle sehen die Hersteller meist eine Notstromversorgung oder eine sichere Schließstellung vor. Für ein Keller-WC ist ein Typ 3 mit Kennzeichnung „F“ nötig.
Einbauvoraussetzungen: der richtige Platz für die Rückstauklappe und warum senkrecht scheitert
Selbst der passende Verschlusstyp bietet keinen Schutz, wenn er falsch platziert ist. Fachbetriebe achten deshalb vor allem auf folgende Punkte:
- Durch den Verschluss läuft ausschließlich Abwasser von Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene.
- Leitungen aus den Obergeschossen und Regenfallrohre werden in Fließrichtung erst nach dem Verschluss angeschlossen.
- Der Verschluss sitzt in einem waagerechten Leitungsabschnitt mit Gefälle zum Kanal, und die Herstellervorgaben zur Einbaulage werden beachtet.
- Er bleibt jederzeit erreichbar, damit Notverschluss, Sichtprüfung und Wartung möglich sind.
- Die Fließrichtung ist korrekt: Der Pfeil auf dem Gehäuse weist zum Kanal.
Warum Wasser aus den oberen Etagen nicht durch die Klappe fließen darf
Ein typischer Planungsfehler in Altbauten: Die Klappe ist so eingebaut, dass auch Abwasser aus den oberen Etagen und Regenwasser vom Dach hindurchläuft. Bei Starkregen schließt die Klappe planmäßig. Regenwasser vom eigenen Dach und Abwasser aus dem Erdgeschoss fließen aber weiter in die Leitung. Da es nicht abfließen kann, tritt es im Keller aus – obwohl die Klappe korrekt schließt, denn das Wasser kommt aus dem eigenen Haus.
Senkrechter Einbau
Nach DIN EN 13564-1 sind Rückstauverschlüsse für Rohrleitungen auf waagerechte Leitungen ausgelegt. Ihre Klappen sind so gelagert, dass sie im Normalbetrieb aufgehen und bei Rückstau sicher in den Dichtsitz zurückfallen. In einer senkrechten Leitung stimmt diese Geometrie nicht mehr: Die Klappe erreicht ihre Schließposition nicht zuverlässig, und am Dichtsitz lagert sich leichter Schmutz ab. Kommt das Abwasser senkrecht an, etwa aus einer Fallleitung, wird es daher zuerst in einen waagerechten Abschnitt umgeleitet. Alternativ schützt ein Bodenablauf mit eingebautem Verschluss die einzelne Stelle.
Einbau, Nachrüstung und Planung: das Vorgehen von Fachbetrieben
Eine Nachrüstung beginnt mit der Frage, wie die Leitungen unter dem Kellerboden verlaufen. In zahlreichen älteren Häusern im Oberbergischen fehlen aktuelle Pläne. Hinzu kommen mehrfach umgebaute Leitungen, bei denen Regen- und Schmutzwasser irgendwo unter der Bodenplatte zusammenlaufen.
In fünf Schritten zur wirksamen Rückstausicherung
- Rückstauebene ermittelnErkundigen Sie sich bei der Kommune, welche Höhe die Satzung vorgibt. Vergleichen Sie anschließend die Straßenoberkante am Anschlusspunkt mit dem Kellerboden. Mit Schlauchwaage oder Nivelliergerät erhalten Sie genauere Werte als mit bloßem Augenmaß.
- Tiefliegende Ablaufstellen auflistenGehen Sie den Keller ab und notieren Sie alle Stellen: Bodenablauf, Dusche, WC, Waschmaschine, Waschbecken, Kondensatablauf der Heizung, Kellerabgang und Lichtschacht. Vermerken Sie jeweils, ob fäkalienhaltiges Abwasser anfällt.
- Leitungen mit der Kamera untersuchenEine Kanal-TV-Inspektion zeigt, wo Leitungen von oben zulaufen, ob Gefälle zum Kanal vorhanden ist und wie es um das Rohr steht. Risse oder eingewachsene Wurzeln sollten vor dem Einbau beseitigt werden. Wir führen Kanal-TV-Inspektionen selbst durch und verfügen über Fachnachweise zur TV-Inspektion und zur Reparatur von Grundleitungen. Schäden können wir bei Bedarf grabenlos mit dem Schlauchliner sanieren.
- Lösung und Position bestimmenEin Rückstauverschluss kommt in einen waagerechten Abschnitt, und zwar nach dem Zusammenfluss aller unteren Ablaufstellen und vor dem Anschluss der oberen Leitungen. Ohne Gefälle wird eine Hebeanlage mit Rückstauschleife eingeplant.
- Einbauen, testen, einweisenDer Verschluss wird gemäß Herstellervorgaben montiert und auf Dichtheit und Funktion getestet. Danach erhalten Sie eine Einweisung: Lage des Notverschlusses, seine Bedienung und der nächste Wartungstermin.
Der Aufwand einer Nachrüstung richtet sich vor allem nach der Zugänglichkeit. Gibt es an geeigneter Stelle bereits eine Reinigungsöffnung oder einen Schacht, lässt sich ein Einsatz-Verschluss oft ohne großen Eingriff einsetzen. Muss der Kellerboden geöffnet werden, kommen Stemm- und Betonarbeiten dazu. Weitere Kostentreiber sind eine notwendige Trennung der Leitungen oder eine zusätzliche Hebeanlage. Ein verlässliches Angebot gibt es daher erst nach der Bestandsaufnahme. Selbst erledigen können Sie die Bestandsaufnahme der Ablaufstellen sowie später die Kontrolle mit Bedienung des Notverschlusses. Einbau und Dichtheitsprüfung gehören dagegen in Fachhand.
Wartung nach dem Einbau
DIN 1986-3 sieht zwei Ebenen vor. Als Betreiber kontrollieren Sie den Rückstauverschluss etwa monatlich und betätigen dabei den Notverschluss. Ein Fachkundiger wartet ihn etwa halbjährlich. Dabei reinigt er Klappen und Dichtungen und prüft auf Verschleiß. Wichtig: Einen geschlossenen Notverschluss anschließend unbedingt wieder öffnen, sonst staut sich das eigene Abwasser im Keller.





